PIERS FACCINI & BALLAKÉ SISSOKO – Our Calling


Foto-© Sandra Mehl

An eagle cries
her sorrow drawn
bare branches black
snapped to track
her fate is in the ground

She crossed the ridge
onto the breach
the valley bright
tore the night that
only visions reach

Mournful moon
with her silver rays
stealing time
to burn the day

(Piers Faccini/Ballaké Sissoko – Mournful Moon)

Dieses Album steht quer gegen den politischen Trend – und das tut so gut. Je mehr über Gefahren und Nachteile von Migration gesprochen, geschimpft und gewahlkämpft wird, desto wichtiger ist Musik, die das Miteinander feiert, die das Kommunizieren auf Augenhöhe als kulturelle Erfolgsgeschichte veranschaulicht. Wie der britisch-italienische Singer-Songwriter Piers Faccini und der malische Kora-Virtuose Ballaké Sissoko auf ihrer neuen Platte Our Calling miteinander singen und spielen, ist daher nicht nur ein entspannendes Fest für die Ohren, sondern auch ein klares Statement in diesen von Abgrenzung geprägten Zeiten.

Zwei Jahrzehnte nach der ersten Zusammenarbeit setzen Faccini/Sissoko ihren wunderbaren Dialog fort, und wieder entstehen Lieder voller Leichtigkeit und Schwere zugleich, zwischen World Music, Songwriter-Gitarren-Folk und Wüsten-Blues (Mounful Moon, North And South). Schon Anfang der Nuller-Jahre hatten sich die beiden Könner aus zwei Welten über das Label Bleu kennengelernt und waren Freunde geworden, experimentierten „mit neuen musikalischen Wegen zwischen Manding-Traditionen und Folksongformen“ (Label-PR).

Nun also Teil zwei dieser europäisch-afrikanischen Zusammenarbeit, rein akustisch mit Gitarre und Kora, aufgenommen an fünf Tagen live im Pariser Studio La Frette, begleitet hier und da von Vincent Segal (Cello), Badjé Tounkara (Ngoni) und Malik Ziad (Guembri). Der malische Einfluss überwiegt, trotz des überwiegend englischsprachigen Gesangs, in den zehn Tracks, wobei Shadows Are eher klassischer Folk ist und Ninna Ninna ein traditionelles Lied aus Süditalien, mit dem Faccini auf seine Wurzeln zurückblickt.

Gleichwohl sollte die musikalische Sprache des Albums „mit den Mandé-Traditionen und -Modi beginnen und enden“, eine Verwässerung des Sounds für westliche Hörgewohnheiten also vermieden werden. Und ja: Wenn man zum Abschluss das hauchzarte By Your Hand hört, kann man Faccini/Sissoko nur beglückwünschen zu diesem musikalischen Zwiegespräch mit dem allergrößten gegenseitigen Respekt und auf höchstem Niveau.

Piers Faccini & Ballaké Sissoko – Our Calling
VÖ: 14. Februar 2025, No Format
www.ballakesissoko.com
www.facebook.com/PiersFacciniMusic

YouTube Video

Werner Herpell

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